Tracks East
Das Baltikum in Moskaus Visier
Indiens wütende Bauern
Die Wut war groß und die Revolte dauerte über ein Jahr: Ende 2020 gingen Hunderttausende indische Landwirte auf die Straße und protestierten gegen die Agrarreform der Regierung. Mit ihrem außergewöhnlichen Aufstand kämpften die Bauern, denen sich immer mehr Menschen anschlossen, für ihr Überleben, ihr Land und ihre Demokratie. Die indische Regierung versuchte, die Bewegung mit allen Mitteln aufzuhalten. Doch der Protest blieb standhaft. Im November 2020 legte der 26-jährige indische Bauer Gurbaz Sangha 400 Kilometer auf seinem Traktor von seiner Heimat im Bundesstaat Punjab bis in die Vororte von Delhi zurück. Bald kamen Hunderttausende Männer und Frauen aus allen Kasten, Religionen und Generationen mit einem Ziel in die Hauptstadt: Sie protestierten gegen die Agrarreform, die unter Narendra Modi - seit 2014 Premierminister - verabschiedet worden war. Verschiedene Verordnungen setzten die Mindestpreise für landwirtschaftliche Erzeugnisse aus, sorgten für eine Deregulierung des Agrarmarkts und schränkten die Möglichkeiten für juristische Anfechtungen durch die Landwirte ein. In den ersten Tagen errichteten die Protestierenden aus den vier agrarisch geprägten Bundesstaaten (Punjab, Haryana, Uttar Pradesh, Rajasthan) Camps auf den vier Knotenpunkten der Stadtautobahn von Delhi. Trotz der Verurteilung durch die Regierung und zahlreicher Polizeieinsätze demonstrierte über eine halbe Million Menschen für eine zuvor wohl kaum erreichte Dauer von über einem Jahr. Dabei entstand eine Parallelwelt, in der die verschiedenen Kasten friedlich koexistierten, Frauen zu politischen Partnerinnen wurden und wo sich ein pluralistisches, mutiges und ideenreiches Indien zeigte. Bald schlossen sich auch Bauern aus anderen Bundesstaaten und die Industriegewerkschaften dem Bauern Gurbaz und seinen Mitstreitern aus Punjab an. Gemeinsam führten sie einen Kampf, der so groß war wie kein anderer seit der Unabhängigkeit Indiens. Diese ebenso poetische wie politische Dokumentation zeigt die Hintergründe einer der beeindruckendsten Bauernbewegungen unserer Zeit. Sie ist eine universelle Hommage an kollektiven Mut und solidarisches Handeln.
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Das Baltikum befindet sich in einer gefährlichen Sicherheitslage: In Estlands Grenzstadt Narwa machen Nachrichten über eine geplante Abspaltung die Runde - eine gezielte Desinformationskampagne. In Litauen wird über einen neuen Truppenübungsplatz für Nato-Manöver debattiert. Könnte im Baltikum eine neue Kriegsregion entstehen? Und wie gehen die Menschen mit dieser Bedrohung um? Das Baltikum befindet sich aktuell in der gefährlichsten Sicherheitslage seit Ende des Kalten Krieges. Regelmäßig gibt es GPS-Störungen, Drohnen über sensibler Infrastruktur, beschädigte Unterseekabel und gezielte Desinformation. Mit hybriden Angriffen versucht Russland die baltischen Staaten und damit die Nato zu destabilisieren, ohne offiziell Krieg zu führen. In Narva, Estlands Grenzstadt zu Russland, erlebt die Bevölkerung die Spannungen unmittelbar. 95 Prozent der Einwohner sprechen Russisch. Zum "Tag des Sieges" inszeniert Russland im benachbarten Iwangorod eine patriotische Großveranstaltung. Gemeinsam mit der Fotografin Maria Kopytova blickt "Tracks East" auf eine Stadt zwischen europäischem und russischem Einfluss. Der Suwałki-Korridor zwischen Litauen und Polen gilt als eine der verwundbarsten Stellen der Nato. Sollte Russland diesen Korridor besetzen, wäre das Baltikum auf dem Landweg vom Rest der Nato abgeschnitten. Deshalb will Litauen ganz in der Nähe einen neuen Truppenübungsplatz bauen. Doch das Vorhaben sorgt bei den Bewohnern der kleinen Ortschaft Kapčiamiestis für Streit. In den letzten Jahren haben alle baltischen Staaten versucht, die Verwendung ihrer Landessprache unter russischsprachigen Bürgern zu fördern. Lettland steht dabei vor der größten Herausforderung, da jeder dritte der rund 1,8 Millionen Einwohner im Alltag Russisch spricht. In Riga trifft "Tracks East" eine junge Galeristin und Clubbetreiberin, die ihre Sicht auf den Sprachkonflikt, der die lettische Gesellschaft spaltet, mit uns teilt.
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| miercuri, 00:50 | Tracks East |