ERDOĞAN
Im Rausch der Macht, 2026
ERDOĞAN
Am 15. Juli 2016 kippt die Türkei in eine Nacht des Chaos: Panzer auf der Bosporusbrücke, Kampfjets über Ankara und Istanbul, besetzte Flughäfen und Behörden. Das Militär putscht und versucht, Erdoğan zu stürzen. Doch er wendet sich per Video-Livestream an das Volk, fordert, sich den Putschisten entgegenzustellen, und verändert so den Verlauf dieser Nacht. Mehr als 250 Menschen sterben. Danach folgt eine beispiellose Welle von Verhaftungen und Entlassungen. Zehntausende verlieren ihre Ämter oder ihre Freiheit. Erdoğan macht den Prediger Fethullah Gülen zum Hauptverantwortlichen. "Verrat verzeiht er nicht", sagt Bülent Arınç über Erdoğans Reaktion. Der Staat wird radikal umgebaut, unter dem Ausnahmezustand entsteht ein Klima der Angst und Kontrolle. Der Putsch wird zum Wendepunkt. Unter dem Ausnahmezustand treibt Erdoğan die Machtkonzentration voran und schafft 2017 ein Präsidialsystem, das ihn zum nahezu uneingeschränkten Herrscher macht. "Erdoğan ist der erste demokratisch gewählte Sultan der Türkei", bringt es der deutsch-türkische Autor Fatih Çevikkollu auf den Punkt. Auch die Opposition gerät ins Visier. Der Istanbuler Bürgermeister Ekrem İmamoğlu wird zum wichtigsten Gegenspieler und gewinnt Wahlen trotz Annullierung erneut. Aber Erdoğan sorgt auch für dessen Verhaftung. Während der Rechtsstaat erodiert, die Inflation große Teile der Bevölkerung in die Armut treibt und Hundertrausende junge Menschen das Land verlassen, lebt Erdoğan abgeschottet in seinem Palast. Und die Machtfrage bleibt offen: Wie lange noch?
Plus…Description
Als Barack Obama nach seinem Amtsantritt die Türkei 2009 als erstes Ziel für einen Staatsbesuch auswählt, steht Recep Tayyip Erdoğan auf dem Höhepunkt seines internationalen Ansehens. Er gilt jetzt als Brückenbauer zwischen Islam und Demokratie. Beim Arabischen Frühling lässt er sich in Kairo wie ein Heilsbringer feiern. Ein Moment, der ihm - so Beobachter - "den Kopf verdreht". Weggefährten berichten, Erdoğan sei "ein anderer geworden", getrieben von dem Gefühl: "Es gibt niemanden, der größer ist als wir." Erdoğan entpuppt sich als Machtpolitiker, der keine Grenzen mehr akzeptiert. Er beschwört eine "neue Türkei", orientiert am Erbe des Osmanischen Reichs, und treibt das Land auf einen religiös geprägten Kurs. Als Hunderttausende dagegen bei den Gezi-Protesten 2013 aufbegehren, duldet Erdoğan keine Kritik. Er sieht die Demonstranten nicht als Bürger, sondern als Feinde. Der Konflikt spaltet das Land - und trifft ihn persönlich: "Das war der größte Schock seiner bisherigen Karriere - denn damit hat er nicht gerechnet", erinnert sich der damalige WELT-Korrespondent Deniz Yücel. Trotz immer neuer Skandale baut Erdoğan seine Macht weiter aus. 2014 lässt er sich zum Präsidenten wählen, inszeniert sich auch im Ausland als Stimme der Türken und lässt sich einen gigantischen Präsidentenpalast bauen - gegen alle Widerstände. Sein Ziel ist klar: mehr Macht, ein neues System, eine Türkei nach seinen Regeln. Doch im Verborgenen formiert sich Widerstand. Für Erdoğan unsichtbar - aber entschlossen, ihn zu stürzen.
Programme TV
| Chaîne | Durée | Titre |
|---|---|---|
| lundi, 02:20 | ERDOĞAN | |
| lundi, 03:05 | ERDOĞAN | |
| lundi, 03:50 | ERDOĞAN | |
| lundi, 04:35 | ERDOĞAN |
TV Chaîne
WDR.de vertieft und vernetzt die Highlights aus den klassischen WDR-Medien, aus täglich 149 Stunden Radio und 38 Stunden Fernsehen. Der Anspruch der Redaktion ist, Themen wahr, verständlich, spannend, netzspezifisch, modular, multimedial und barrierefrei zu präsentieren. WDR.de hat besonders NRW-Themen im Fokus, berichtet aber auch über deutschlandweite oder weltweite Ereignisse mit "Breaking-News"-Charakter. WDR.de ist Teil von und Ergänzung zu den bestehenden ARD-Angeboten.