360° Reportage

Das Gerichtsschiff vom Amazonas

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Sonraki

ARTE 360° Reportage

Cumartesi, 08:50

Wasserbüffel gelten in Laos als "Sparbücher für Notzeiten". Muss jemand ins Krankenhaus, geht der Reis aus oder steht eine Hochzeit an, verkauft man einen Büffel. Doch die meisten sind schwach und mangelernährt. Parasiten und Seuchen setzen den Wiederkäuern zu. Innovative Futterblöcke könnten die Situation verbessern. Ein junges Team von Tierspezialisten will die Büffel in Laos aufpäppeln - mit Futterblöcken, entwickelt von australischen Wissenschaftlern. Mit ihrer Hilfe können die Büffel zum ersten Mal ganzjährig ausreichend ernährt werden, sie werden gesünder, setzen mehr Fleisch an und geben bis zu 30 Prozent mehr Milch. Die wird jedoch in Laos bisher gar nicht genutzt, das Melken ist hier unbekannt. Dabei sind in Laos viele Kinder chronisch unterernährt, mit Folgen für das ganze Leben. Die Ernährung der Kinder mit Wasserbüffel- und auch Ziegenmilch anzureichern, könnte schnelle Hilfe bedeuten und jeder Tag zählt. Das Zeitfenster, um irreversible Schäden durch Mangelernährung abzuwenden, ist eng. Auf der ersten Wasserbüffel-Milchfarm in Nord-Laos hat die Australierin Susie Martin mit ihren laotischen Farmmanagern und den einheimischen Tierspezialisten Saisamone Chittaphong und Chit Sisanom deswegen einen Notdienst für Wasserbüffel eingerichtet. Sie fahren zu den Kleinbauern, impfen und klären über artgerechte Haltung auf und haben für die Farmer kostenloses Zusatzfutter im Gepäck. Die beiden mieten von den Kleinbauern trächtige Wasserbüffelkühe und holen sie auf die Farm, ein regelrechtes Day-Spa für die Tiere. Grasen auf der Weide am kühlen Morgen, eine Dusche danach, tägliche Gesundheits-Checks und nährstoffreiches Powerfutter sollen die Büffelkühe aufpäppeln. Gesunde Mütter bedeuten gesunde Kälbchen. Ihre Besitzer erhalten die Kühe wieder trächtig zurück - mit frischer Genetik von einem stattlichen indischen Zuchtbullen „an Bord“. Die Milch der Wasserbüffelkühe und neuerdings auch von Ziegen wird in Ernährungsprogrammen eingesetzt, auch in der Grenzregion zu China, in der viele Dorfbewohner Generation um Generation in Armut leben und Mangelernährung fast die Hälfte der Kinder betrifft. Mit Wissen und für die Viehhalter kostenlosen Futterblöcken im Gepäck bringen die Tierspezialisten den Dorfbewohnern das Melken ihrer Tiere und das Zubereiten einfacher Milchspeisen bei. Es gibt dabei kaum etwas, worin sich die Kulturen der Welt so sehr unterscheiden wie beim Essen. Was schmeckt und was der Gaumen als nicht lecker wahrnimmt, wird über Generationen tradiert - eine riesige Herausforderung für das Team. Können die Agrar-Avantgardisten die Dorfbewohner an den neuen Geschmack im Essen gewöhnen? Farbenfreudige Geschichten, die das Leben schreibt. Reisen, Rituale und Feste mit Menschen aus aller Welt.

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Açıklama

Der brasilianische Staat weiß bis heute nicht genau, wie viele Menschen am Amazonas leben, denn viele haben weder Pass noch Geburtsurkunde. Die Menschen haben keinen Zugang zur Justiz. Um das zu ändern, gründete die Richterin Sueli Pini die Initiative "Justicia Itinerante". Mit ihrem Justizschiff bringt sie staatliche Dienstleistungen zu der Bevölkerung im Amazonas-Delta. Viele Menschen am Amazonas leben in schwer zugänglichen Gebieten, abseits großer Städte ohne jede Infrastruktur – und ohne Zugang zu Behörden und Ämtern. Für Recht und Ordnung sorgt ein schwimmendes Gerichtsschiff, welches sechsmal pro Jahr die Flussarme des Amazonas befährt und Streitfälle in den Gemeinden schlichtet. An Bord sind neben einer Richterin und einem Staatsanwalt mehrere Sozialarbeiter. Fast 70 Mitarbeiter teilen sich während dieser Zeit die wenigen Waschbecken und Hängematten. Eine logistische Herausforderung. Sorgerechtsstreitereien, Unterhaltsforderungen oder kleinere Diebstähle – all das, was in größeren Städten zur täglichen Routine von Gerichten und Ämtern gehört, stellt an den Flussufern des Amazonas eine besondere Herausforderung dar. Denn oft liegen die kleinen Dörfer und Gemeinden an unzugänglichen Uferstellen, an denen nur Schiffe anlanden können. Feste Wege oder gar Straßen gibt es nicht. Selbst die Kleinsten werden per Boot in den Kindergarten gebracht. Dennoch unterstehen auch jene Ortschaften der brasilianischen Gerichtsbarkeit, und die Menschen haben ein Recht auf Unterstützung bei Amtsfragen und Streitfällen. Sechsmal im Jahr fährt deshalb das Gerichtschiff "João Bruno" für jeweils eine Woche die Regionen ab, um den Menschen in jenen abgelegenen Orten diese Serviceleistung des Staates anzubieten. Höchste Instanz dabei ist eine amtliche Richterin oder ein Richter. Diesmal ist es Laura Costeira. Der 42-jährigen ist es ein Anliegen, ihre Dienste den Menschen auch abseits der Städte nahezubringen. Einfach wird die Reise nicht: An Bord gibt es für die insgesamt 70-köpfige Reisegemeinschaft gerade einmal vier Waschmöglichkeiten. Die meisten Passagiere schlafen in Hängematten. Eine einzige Köchin ist für die Verpflegung der Mannschaft zuständig. Und dennoch hat sich das Projekt zu einem Erfolgsmodell entwickelt – bei der Mannschaft und den Menschen am Amazonas. So soll es auch diesmal sein. Farbenfreudige Geschichten, die das Leben schreibt. Reisen, Rituale und Feste mit Menschen aus aller Welt.


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