Putins Atomgeschäfte
Europa in der Falle
phoenix der tag
Dienstag, 09. Juni 2026 ca. 17:30 Uhr: Aktuelles In „phoenix der tag“ fassen wir die wichtigen Ereignisse, Themen und Diskussionen des Tages für Sie zusammen. Zwei Mal am Tag begrüßen Sie die Moderatorinnen und Moderatoren aus dem Bonner Studio – um 17.30 Uhr mit einer 30-minütigen Zusammenfassung und um 23.00 Uhr mit einer umfassenden 60-minütigen Rückschau auf den Tag – mit Expertinnen und Experten im Studio sowie Schalten zu den Korrespondenten von ARD und ZDF.
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Kernkraftwerke im Osten der EU laufen mit Brennelementen aus Russland. Ein französischer Konzern will Europa aus der Abhängigkeit lösen - ausgerechnet mit russischer Hilfe. Tief im Westen Deutschlands, in Lingen im Emsland, tragen Atomkraftgegner und Nuklearindustrie seit vier Jahren einen Streit aus, der weit über die Region hinausweist - nach Russland. Es geht um die Brennelementefabrik vor der Stadt und um die geplante Zusammenarbeit zweier Staatskonzerne, der französischen Framatome und der russischen Rosatom. Die Entscheidung muss das Land Niedersachsen fällen - in den kommenden Wochen. "Eine Kooperation mit Rosatom würde die Abhängigkeit von Russland weiter ausbauen", warnt Bettina Ackermann vom Anti-Atom-Bündnis "ausgestrahlt". Darum haben sie und ein Dutzend weiterer Atomkraftgegner "Mr. P. aus M." dabei, einen Riesenkopf aus Pappmaché, eine Spottfigur. An einem warmen März-Tag soll sie auf den wahren Geschäftspartner in Lingen hinweisen: Wladimir Putin. Nuklearindustrie trotz Atomausstieg Seit April 2023 produziert Deutschland keinen Atomstrom mehr, wohl aber Nukleartechnik. Framatome betreibt die Brennelementefabrik in Lingen, schätzt seinen deutschen Standort: "Lingen steht für Kompetenz, aber auch Flexibilität", sagt Mario Leberig, der die deutsche Produktion leitet und auch im Management des weltweiten Brennelemente-Geschäfts sitzt. Im Interview mit ZDF frontal nimmt Framatome erstmals vor der Kamera Stellung zur Absicht, in Lingen Brennelemente sowjetischer Bauart zu fertigen. Diese WWER-Brennelemente sind in vielen osteuropäischen Kernkraftwerken unverzichtbar und kommen bislang aus Russland. Rosatom wollte sich zu den Recherchen von frontal auf Anfrage nicht äußern. Russische Atomgeschäfte: Keine EU-Sanktionen Seit Mai 2022 will die EU russische Energieimporte reduzieren, als Reaktion auf den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine. Echte Fortschritte macht sie nur bei Gas aus Pipelines. Atomgeschäfte mit Russland unterliegen dagegen keinen Beschränkungen. "Es gibt Länder wie Frankreich, die eine Abhängigkeit von Russland haben", erklärt Osteuropa-Experte Sebastian Hoppe. Diese Länder hätten ein Interesse daran, dass die Lieferbeziehung zum russischen Staatskonzern Rosatom "nicht schlagartig unterbrochen wird." Auf Wunsch der Kunden und im Sinne Europas fahre Framatome gerade "zweigleisig", erklärt Manager Leberig im frontal-Interview. "Die Lösung, die wir jetzt suchen, muss eine schnelle und sichere Alternative sein." Mithilfe russischer Experten und Maschinen baue man deshalb zunächst das "erprobte Design" nach. Spionage? Sabotage? Seien ausgeschlossen, der Wissenstransfer abgeschlossen. Kein Russe habe dabei das Werk betreten, so Leberig. Politisch flankiert wird das Joint-Venture von Europa-Abgeordneten wie Christophe Grudler (Mouvement Démocrate). Frontal trifft ihn in seinem Wahlkreis Belfort, wo Frankreichs Präsident Emmanuel Macron 2022 die "Renaissance" der Atomkraft verkündete. Weißes Haus pusht Westinghouse Die Konkurrenz aus Amerika ist Europa tatsächlich um Jahre voraus, wenn es um den Ersatz russischer Brennelemente geht. Frontal dreht - mitten im Krieg - im ukrainischen Kernkraftwerk Rivne. Im Wasser des Reaktors arbeiten Brennelemente, die der kanadisch-US-amerikanische Konzern Westinghouse entwickelte. Den Auftrag dazu erteilte die Ukraine 2008. "Uns war schon lange klar, dass die Ukraine eine Diversifizierung ihres Kernbrennstoffs braucht", erklärte Pavlo Kovtonjuk, Chef von Energoatom, dem staatlichen Nuklearkonzern. "Wir haben Anfragen aus der Slowakei erhalten." Auch Finnland und Tschechien seien interessiert. Und tatsächlich: Nach dem Besuch von US-Außenminister Marco Rubio im Februar kam Westinghouse in der Slowakei und Ungarn ins Geschäft mit Brennelementen. Brennelemente made in Europe Framatome entwickelt erst seit 2018 auch eigene WWER-Brennelemente. "Europäisches Design, europäische Lieferkette und europäische Fertigung", verspricht Manager Leberig, wegen des Rückstands allerdings erst für "Anfang der 2030er Jahre". Das sei eine "schnelle Zeitskala in diesem Geschäft." Bis dahin bleibt Framatome abhängig von Rosatom - und Russland. Der Ukrainer Kostyantyn Batozsky ist einer, der Rosatom von innen kennt und die Seiten wechselte: Er arbeitete bis zur russischen Krim-Annexion 2014 im Rosatom-Management und warnt: "Es geht ihnen nicht ums Geschäft. Sie tun nur so."
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| torek, 16:45 | Putins Atomgeschäfte |
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